1983 bis 1989

1983: Legendärer Gig in Hamburg-Harburg mit den “Dead Kennedys” und “MDC”: Eine Hundertschaft Bullen wartet unter der Bühne wegen eventuell zu erwartenden Ausschreitungen und Überwachung des “Bullenschweine-Polizei SA/SS-Spielverbots”. Es bleibt jedoch ruhig. Sogar als Dirk bei der Ansage zu “SA/SS” Anspielungen darauf fallenläßt, wer denn da direkt unter der Bühne kauert … Es heißt, 26 Beamte quittierten nach dem Abend aufgrund der erlittenen Angstqualen ihren Dienst. Dritte Platte “Alle gegen Alle”. Gigs ohne Ende – meist für Benzingeld. Gemeinsame Auftritte mit “Bad Brains” in Osnabrück, und “Ton Steine Scherben” in Neumünster.

1984: Kurz nach der vierten Platte “Live in Berlin”, trennt sich die Band. Stephan: “Uns ging der Vorwurf, kommerziell geworden zu sein, furchtbar auf die Nerven. Leute, die keine Probleme hatten, zwanzig oder dreissig Mark für eine englische oder amerikanische Punkband zu zahlen, beschwerten sich bitter, wenn sie für ein Slime-Konzert einen Zehner löhnen sollten. Für die waren wir dann “Kommerzschweine”. – Auf der anderen Seite waren wir für andere, große Teile der Punkszene die “Helden”, wir hatten da so einen Status, mit den wir nicht viel anfangen konnten und wollten, der uns sogar ein bißchen Angst machte. Wenn du selbst “Keine Führer” forderst und damit selbst einer wirst, läuft irgendetwas schief. Wir wollten keine Helden sein und einige Leute wollten uns dazu machen. Wir sahen damals keine andere Lösung als aufzuhören.”

In den Jahren 1985 – 89 kamen Slime trotz der “offiziellen” Auflösung mehrere Male zusammen, um Konzerte zu geben, so z.B. in Hamburg im Störtebeker an der Hafenstraße, im “Logo” für einen Hafenstraßen-Soli-Gig oder auf der ersten Störtebeker-Elb-Barkassenfahrt, die nicht nur die Vernichtung von Zweitausend Liter Bier mit sich brachte, sondern um ein Haar als spektakulärste Katastrophe in die Analen der Geschichte des Hamburger Hafens eingegangen wäre. Selbst während dieser Zeit, in der sich Slime rar gemacht hatten und keine Platten erschienen, wuchs ihr Bekanntheitsgrad. Die Band war und blieb Sinnbild des musikalischen Widerstandes gegen Staat und Faschisten, Polizeiterror und Unrecht, Träger vieler Hoffnungen auf eine Utopie: ein Leben ohne Unterdrückung durch den Staat.